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Birnbacher und der „Kleine Befreiungsschlag“
Schlechinger Biathlet überzeugt im Massenstart Andi Birnbacher, der Biathlet aus Schleching, hat seinen 10. Platz beim Massenstartrennen am Samstag in Ruhpolding wie einen kleinen Befreiungsschlag empfunden. Denn nach seinem 6. Platz zum Saisonauftakt im schwedischen Östersund hatte es bei dem 28-Jährigen in den folgenden Weltcups nicht mehr so recht klappen mögen, und es schien, als würden ihm die Felle für Olympia in Vancouver davonschwimmen, auch wenn er die Olympianorm bereits in der Tasche hatte. Doch im Massenstartrennen am Samstag zeigte er wieder alte Klasse und hielt lange mit den Favoriten mit. Mit 34 Sekunden Rückstand auf den siegreichen Norweger Emil Hegle Svendsen, der die 15 km mit viermaligem Schießen fehlerfrei in 39:19,5 Minuten beendete, war er zweitbester Deutscher, nur Arnd Peiffer, der ebenfalls ohne Fehlschuss über die Runden kam, war als Vierter mit 10,6 Sekunden Rückstand noch schneller. Vor allem dass er im Schießen so gut durchkam - erst beim letzten Stehend-Schießen verfehlte er ein Mal das Ziel - war für ihn wichtig, auch wenn er läuferisch noch einiges zuzusetzen hat. Was nicht zuletzt auf krankheitsbedingte Pausen zurückzuführen war. „Anfangs ist es sehr gut gelaufen, aber mit den besten kann ich noch nicht mithalten“, bekannte der Schlechinger. „Ich habe gewusst, dass ich vorn mitmarschieren kann. „ Und auch Trainer Frank Ullrich hatte ihm geraten, aufzupassen, „dass ich nicht verkrampfe.“ Im Training habe das gut geklappt, „aber sobald ich am Start war, habe ich vergessen, was ich im Training geübt habe.“ Besser hat es da beim Schießen geklappt, denn „ich hatte eine Trefferleistung wie im Training.“ Da hat er auch den Rat seines Trainers Frank Ullrich beherzigt, der gesagt hatte: „Leg dich einfach hin und hau die Dinger raus.“ Und so hielt Andi Birnbacher lange mit der Spitze mit, war in der Zwischenzeit teilweise auf dem 4. Rand. „Die ersten drei Runden konnte ich gut mithalten, doch dann ist mir der Laktat eingeschossen“, wie Birnbacher die Übersäuerung der Muskeln umschreibt. Dass er kurzzeitig sogar in Führung war, bewertete er eher als Missgeschick: „Eigentlich wollte ich im Windschatten laufen, und dann hatte ich keine Kraft mehr. „ Dabei ist das Massenstartrennen seine Lieblingsdisziplin. „Ich kann gut mitlaufen und habe mir auch eine gewisse Taktik zugelegt“, meinte Birnbacher, der trotz des großen Gedränges am Schießstand nicht nervös gewesen sei. „Da habe ich mich lange gut gefühlt.“ Lob zollte ihm auch der Co-Trainer Remo Krug, der auch am Stützpunkt Ruhpolding für den Schlechinger verantwortlich ist: „Der Andi hat gemerkt, dass er vorn mithalten kann.“ Und das mag was heißen, denn die Qualität der Besten ist so gut wie wohl noch nie: „Die Weltspitze ist sehr stark und läuft auf einem sehr hohen Niveau.“ Noch besser fühlte sich Arnd Peiffer, der zwar auf den siegreichen Norweger Emil Hegle Svendsen und den Zweiten Jewgeni Ustjugow (Russland/+5,1 Sekunden/1 Schießfehler) keine Chance mehr hatte, aber hinter dem Dritten Simon Eder aus Österreich (+9,9/1) nur knapp den Platz auf dem Stockerl verpasste. Immerhin hat Peiffer erneut gezeigt, dass er zu einem Großen im deutschen Biathlon-Team werden kann. Diesen Beweis hat Birnbachers Trainingspartner am Stützpunkt Ruhpolding Michael Greis zwar schon oft angetreten, nicht aber am Samstag in Ruhpolding. Insgesamt vier Schießfehler waren zuviel für einen Spitzenplatz, und so musste sich der Allgäuer mit dem 20. Platz (+1:20,7) begnügen. Aber auch beim Superstar Ole Einar Björndalen ist es nicht nach Wunsch gelaufen. Er leistete sich zwar „nur“ zwei Schießfehler, doch konnte er läuferisch dies nicht mehr aufholen, und so blieb ihm „nur“ der 6. Platz (+20,3). Für seinen Landsmann Svendsen war der Sieg etwas ganz Besonderes: „Das Schießen war heute perfekt. Ich habe erst einmal, das war bei meinem ersten Weltcupsieg, alle 20 Treffer erzielt. Die letzte Runde bin ich kontrolliert gelaufen, um meine Kräfte für die Staffel zu schonen.“ Mit seinem zweiten Platz hat Ustjugow seine Gesamtführung im Weltcup verteidigt, die Favoritenrolle für Vancouver lehnt er aber ab: „Nein, da gibt es noch ernsthafte Konkurrenten, das wird ein ernsthafter Kampf werden.“ Sagt er und lächelt. <- Zurück |